Verein für politische Flüchtlinge
- Initiative gegen die Todesstrafe -
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An alle, die an
unserer Protestaktion
teilgenommen haben
Münster, 11. Mai 2005
Betr.: Folgen unserer gemeinsamen Protestaktion anlässlich des Todesurteils gegen den politischen Gefangenen im Iran, Esmaeil Mohammadi
Liebe Freundinnen und Freunde,
hiermit möchten wir uns zunächst herzlich für Euer Engagement bedanken, das Ihr bei unserer letzten Protestaktion anlässlich des Todesurteils gegen den politischen Gefangenen im Iran, Esmaeil Mohammadi, gezeigt habt, und das uns viel Mut gemacht hat. Eure Protestschreiben an die iranischen Behörden haben eine erstaunliche Wirkung gehabt: Esmaeil ist immer noch am Leben! Er sitzt nach wie vor im Gefängnis und wartet auf seine Freiheit oder auf seinen Tod, der ihm gleichwohl immer noch droht.
Kurz nachdem unsere Protestaktion angelaufen war, berichteten viele Medien weltweit über die drohende Todesstrafe gegen Esmaeil, die auch im Iran zu empfangen sind. Nichtregierungsorganisationen, wie amnesty international und die Gesellschaft für bedrohte Völker, haben sich ebenfalls unseren Protesten angeschlossen. Esmaeil bekam daraufhin Besuch von einem iranischen Staatsbeamten, der ihm versicherte, dass „man einen Weg finden“ könne, und dass er „keine Angst um sein Leben“ mehr zu haben bräuchte. Eine offizielle Erklärung von Regierungsseite hingegen gibt es hierzu nicht. Er wird nach wie vor beschuldigt, an einem Attentat gegen einen iranischen Geheimdienstmitarbeiter beteiligt gewesen zu sein. Trotz der heftigen Folterpraktiken, denen er in seiner Haft ausgesetzt ist, bestreitet er, an diesem Attentat beteiligt gewesen zu sein. Ihm droht also immer noch die Todesstrafe. Dennoch freuen wir uns mit ihm und seiner Familie, dass Esmaeil entgegen den konkreten Drohungen der iranischen Behörden von Ende April nach wie vor am Leben ist.
Mit diesem Brief wollen wir uns aber nicht nur bei Euch für Euer Engagement bedanken. Wir wollen auch darauf hinweisen, dass im Iran viele politische Gefangene in den Gefängnissen sitzen, denen mit ähnlich fadenscheinigen Begründungen die Todesstrafe droht, wie dies bei Esmaeil der Fall ist. Für uns als Verein für politische Flüchtlinge und als Initiative gegen die Todesstrafe ist es wichtig, auch nach unserem ersten Erfolg weiterzumachen, bis im Iran und in anderen menschenfeindlichen Gesellschaften die Todesstrafe als Instrument von Herrschaft und Unterdrückung abgeschafft ist. So werden wir Euch vermutlich auch weiterhin mit Informationen zu politischen Gefangenen weltweit „versorgen“ und uns gegebenenfalls erneut mit einer urgent action an Euch wenden.
Mit solidarischen Grüßen,
Karim Mohammadi
Mojtaba Shakibapour